Was jetzt getan werden muss, um die erneute Ausbreitung des Corona-Virus in den Griff zu bekommen

Nachdem wir im Kreis Gütersloh durch umsichtiges Verhalten der Bevölkerung die Corona-Pandemie gut in den Griff bekommen hatten, gibt es aktuell im Unternehmen Tönnies mehr als  1.000 Infizierte. Und dies, obwohl seit Monaten das Risiko von Coronainfektionen in Schlachtbetrieben bekannt ist.

Jetzt sind zielgerichtete Maßnahmen notwendig, um die aktuelle Corona-Krise einzudämmen:

Es muss alles daran gesetzt werden, dass es nicht zu einer unkontrollierbaren Verbreitung des Coronavirus im Kreis Gütersloh und der Umgebung kommt.

Infektionsketten müssen schnell unterbrochen werden. Alle Kontaktpersonen müssen zeitnah getestet werden. Dazu gehört für mich auch, dass Kindertagesstätten und Schulen, in denen Kinder von Infizierten oder Kontaktpersonen betreut bzw. beschult wurden bzw. werden, ebenfalls in die Tests einbezogen werden. In Sammelunterkünften sollten die Bewohner alle sieben Tage getestet werden.

Die ortsansässigen Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenhäuser müssen in die Bewältigung der Corona-Pandemie einbezogen werden. Ein guter Austausch zwischen dem Kreisgesundheitsamt und den Ärzten muss immer gewährleistet sein. Die Ärzte brauchen einen festen Ansprechpartner, damit der notwendige Informationsaustausch stattfinden kann. Auch eine gute Vernetzung mit den zwei Behandlungs- und Testzentrum muss organisiert werden. Testergebnisse müssen den (Haus-) Ärzten zeitnah übermittelt werden.

Die Einhaltung der Quarantäne ist unerlässlich, um die weitere Verbreitung des Virus zu vermeiden. Die Quarantäne-Anordnungen müssen umgesetzt und konsequent überprüft werden, auch wenn das aufgrund der Vielzahl der Betroffenen einen hohen Aufwand erfordert. Die Betroffenen müssen gut versorgt und informiert werden. Dazu gehört für mich die ärztliche Betreuung ebenso wie die Versorgung mit Lebensmitteln.  Die Betroffenen müssen  auch für ihre sozialen Nöte Ansprechpartner haben.

Ein genereller Lockdown sollte durch zielgerichtete Maßnahmen an den Stellen, an denen es erforderlich ist, möglichst vermieden werden. Die getroffenen Maßnahmen müssen kontinuierlich auf ihre Effektivität hin geprüft werden. Vor der Anordnung von Maßnahmen sollten  Beteiligte (zum Beispiel die Kreiseltern- und Schülervertretungen) möglichst gehört werden. Dies gilt selbstverständlich auch für die örtlichen Ordnungsbehörden aller Städte und Gemeinden des Kreises Gütersloh. Wenn erkennbar ist, dass die Infektionsketten nicht unterbrochen werden können und die Zahl der Erkrankten ansteigt, muss ein Lockdown  rechtzeitig mit wirksamen Maßnahmen, wie zum Beispiel dem Verbot von Veranstaltung auch mit weniger als 50 Personen angeordnet werden. Bereiche, bei denen sich gezeigt hat, dass durch die geltenden  Hygieneregeln  (Abstandhalten, Beschränkung von Besucherzahlen, Maskenpflicht) eine Verbreitung des Coronavirus wirksam vermieden wurde, sollten vom Lockdown nicht betroffen werden. Dies gilt zum Beispiel für den Einzelhandel.

Größere Veranstaltungen, die nach der geltenden Coronaschutzverordnung des Landes Nordrhein-Westfalen zurzeit auch im Kreis Gütersloh erlaubt sind, sollten in den betroffenen Bereichen vorsorglich abgesagt werden. Auf größeren Veranstaltungen hat sich in vielen Fällen das Coronavirus verbreitet.

 

Um in Zukunft Situationen mit einer Vielzahl von Infizierten auszuschließen, ist es notwendig, dass

  • ein Frühwarnsystem aufgebaut wird:  Wenn Zahlen steigen, muss schnell gehandelt werden. Bereits am 10.06.2020 sind dem Kreis Gütersloh 27 Neuinfizierungen im Betrieb Tönnies mitgeteilt worden. Durch schnelles, konsequentes  Handeln hätte die Infektionskette viel früher unterbrochen werden können. Die Ärzte sind in das Frühwarnsystem einzubeziehen.
  • aus der Krise gelernt wird. Es müssen wirksame Pandemiepläne in der Kreisverwaltung ausgearbeitet werden,  um in Zukunft umgehend handlungsfähig zu sein.
  • Mitarbeiter aus anderen Abteilungen der Kreisverwaltungen sollten im Vorfeld geschult werden, damit sie im Falle eine Pandemie schnell im Gesundheitsamt mit eingesetzt werden können.
  • Die vielen Ausbrüche von Covid-19 in  der Fleischindustrie zeigen, dass in diesem Bereich dringender Handlungsbedarf  besteht, um die Verhältnisse zu verbessern. Kein anderer Produktionsbereich war bisher in ähnlicher Weise betroffen. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten in der Fleischbranche müssen umgehend  verbessert werden.